Ehemalige U-Boot-Bunkerwerft "Valentin"

Die Bauausführung des Bunkers

 

Für den Bunkerbau im Bereich Bremen-Farge gab es drei gewichtige Gründe:

 

- Der Standort lag außerhalb der Stadt.

- Bedingt durch den Bau des Tanklagers Bremen-Farge befanden sich bereits Firmen und diverse Arbeitskräfte vor Ort.

- Den sehr tragfähigen Untergrund hier: Lauenburger Ton!

 

Dadurch konnten die Bauplaner bei diesem Standort auf eine durchgehende Fundament-platte verzichten. Es reichte aus, nur Streifenfundamente unter den tragenden Wänden zu errichten. Damit konnte man viel Baumaterial einsparen. Die Streifenfundamente sind an der Fundamentsole 11 m bis 12 m breit und sind überwiegend 6,5 m bis 7,5 m tief. Nur im Tauchbecken sind die Fundamentplatten 15 m tief. Die Wand und Deckenstärken wurden zu diesem Zeitpunkt auf 4,5 m Stärke fetsgelegt, weil die Bomben der Alliierten immer größer wurden. Aber auch diese Stärke hielt die Marine für nicht ausreichend. Man rechnete mit dem Bau von noch schwereren Bomben. So plante man im Endzustand 7 m dicke Wände und Decken. Das sollte mit dem Aufbringen einer weiteren Zerschellschicht erreicht werden. Die Wandverstärkungen wurde nicht mehr durchgeführt. Bei den Decken wurden die Verstärkungen noch zu 35% ausgeführt. Ausßerdem sollte der Bunker rundherum mit 15 m breiten Betonplatten umgeben werden, zum Schutz der Fundamente bei Bombadierungen. Bei dem Bau des Bunkers mussten große Wandabstände überbrückt werden. Dies wurde überwiegend durch die Verwendung von vorgefertigten Spannbetonträgern ermöglicht. Es wurden jedoch mehr Träger benötigt als hergestellt werden konnten. Zur Überbrückung dieses Engpasses wurden an vier verschiedenen Stellen im Bunker 60 cm hohe Doppel-T-Träger verbaut. Nach dem Verlegen der Doppel-T-Träger wurden auf die unteren Flansche vorgefertigte Betonplatten eingelegt. Auf diese Betonplatten wurde dann der Beton aufgegossen. Um während des Betonierens das durchbiegen der T-Träger zu verhindern, mussten die Träger von unten abgestützt werden. Anders sah es bei den Spannbetonträgern aus, sie konnten durch ihre Bauart die Last des einbetonierten Betons von ca. 240 t tragen. Diese Träger wurden dicht an dicht nebeneinander gelegt. Nach dem Verlegen hat man die gesamte Trägerkonstruktion in den Beton eingegossen. Das Verlegen der 47 t schweren Träger konnte nur durch auf den Wänden fahrende Portalkräne ermöglicht werden.

Die Baustelle

Das Baustellengelände war sehr groß. Es arbeiteten hier ca. 50 verschiedene Firmen, die in zwei Arbeitsgemeinschaften eingeteilt waren. Dies war die Arge-Nord mit den Hauptfirmen Wayss & Freytag, Gottlieb Tesch, Lenzbau und Krupp-Rheinhausen (Stahlbau). Die Arge-Süd bestand aus den Hauptfirmen Dyckerhoff & Widmann, Hermann Möller, Hoch & Tief AG und Franke Schenke (Stahlbau). Die großen Materialmengen wurden über zwei Wege angeliefert. Ein Teil wurde per Eisenbahn direkt auf das Baustellengelände ge-

fahren. Der andere und größte Teil ist per Schiff über die Weser angeliefert worden. So gab es für Sand und Kies eine Entladebrücke. Sand und Kies wurden mit Loren und mittels einer Förderbandanlage transportiert. Auch der Zement wurde überwiegen per Schiff in loser Form angeliefert. Er wurde dann durch Druckluftrohrleitungen weiterbefördert. Die Baustelle wurde mit Betonmischanlagen großzügig ausgestattet. Bei kompletter Fertig-stellung des Bunkers musste man ca. 550.000 m³ in einem kurzen Zeitraum verbauen. So gab es auf der Südseite drei Betonmischanlagen mit je drei 1.500 l Mischern. Die größte Betonmischanlage war auf der Nordwestseite mit zehn Mischern. Es gab außerdem vier weitere Anlagen mit je zwei Betonmischern auf der Nordseite, sowie an der Giebelseiten des Bunkers. Auf dem Gelände an der Nordseite war eine Spannbetonträgerproduktionsanlage von Wayss & Freytag. Hier wurden die Deckenträger in Serie gefertigt. Da aber die Kapazität nicht ausreichte, wurden weitere Spannbetonträger im Bremer Industriehafen angefertigt. Diese wurden dann mit dem Schiff zum Bunker gefahren. Dort wurde eine besondere Entladevorrichtung geschaffen, um die Träger weiter auf Bahnwagen zu laden. Die Wände des Bunkers wurden mit Stahlschalungen eingeschalt. Damit man schneller einschalen konnte, wurden die Wände von 20 m Länge und 12 m Höhe auf Schienen verschoben.

Die Arbeitslager

Am Bunkerbau mussten ab 1944 bis zu 8.000 Menschen pro Tag aus vielen Ländern Europas arbeiten. Die meisten wurden zur Arbeit gezwungen, kamen aus sechs bis sieben unterschiedlichen Lagern und arbeiteten zeitgleich auf der Baustelle. So waren 4.000 bis 5.000 Menschen in den Tagschichten von durchschnittlich 12 Stunden eingesetzt. Da rund um die Uhr gearbeitet wurde waren die Nachschichten mit einigen hundert bis über tausend Arbeitskräften belegt. Die anderen ca. 2.000 Personen waren in den umliegenden Firmen, bei Gleis- und Erdarbeiten sowie beim Tanklagerbau eingesetzt.

Das Ende des Bunkerbaus

Am 27. März 1945 griff einaus 18 Lancaster-Bombern bestehender britischer Spezial-verband an und warf 13 Grand Slam (10 t), 4 Tallboy (5,4 t) und 12 Bomben (454 kg)ab. Dabei trafen zwei 10 t Bomben die Bunkerdecke an einer 4,5 m dicken Stelle. Sie sprengten zwei Löcher von je 8,5 m Durchmesser in das Bunkerdach. Die Baustelle wurde auf der Nord- und Ostseite durch die anderen Bomben schwer beschädigt. Desweiteren wurde der in der ausgebaggerten Bucht schwimmende Eimerkettenbagger durch einen Treffer versenkt. Dieser Bagger sollte den Durchstich in die Weser freibaggern. Drei Tage später folgte ein weiterer Angriff durch die Amerikaner. Sie griffen mit einem Verband von 31 Bombern an, dabei wurden 62 (2054 kg) schwere"Disney"-Bomben (Bomben mit Raketenantrieb) abgeworfen. Diese wurden aber nur zum Teil auf den Bunker abgeworfen, mit den anderen wurde das 3 km entfernte Tanklager bombadiert. Der Bunker wurde nur von einer Bombe getroffen, die ein kleines Loch von 0,55 m Tiefe hereinsprengte. Erst jetzt, nach den beiden Luftangriffen, entschied sich die Oberbuleitung die Bauarbeiten an dem zu 90% fertiggestellten Bunker zu beenden. Anfang April wurde der größte Teil der Zwangsarbeiter entlassen und sich selbst überlassen. Anfang Mai 1945 besetzten englische Verbände die Bunkeranlage.

Der Bunker "Valentin" nach dem Krieg

Am 20. Mai 1945 wurde der Bunker von den Alliierten freigegeben. Daraufhin begannen die Werften und Firmen ihre Maschinen und Material abzuräumen. Ab 1946 begannen Schrotthändler den Bunker auszuschlachten. Die Alliierten entschlossen sich ab 1946 den Bunker als Zielobjekt für den Abwurf von Übungsbomben zu nutzen. Es wurden nicht explodierende Bomben mit Raketenantrieb abgeworfen. Diese Bomben drangen bis zu 2,5 m tief in die Betondecke ein. Die steckengebliebenen Bomben wurden von einer deutschen Firma herausgesprengt, dadurch sind weiter Löcher in der Bunkerdecke entstanden. Die Zielabwürfe wurden 1949 beendet. Später war die Sprengung des gesamten Bunkers durch die Besatzungsmacht geplant. Die 2 m dicken Zwischenwände sollten durch 500 t Sprengstoff zerstört werden, um so die Bunkerdecke zum Einsturz zu bringen. Prof. Dr. Agatz warnte die Engländer vor diesem Vorhaben, die Sprengung hätte seiner Meinung nach die Zerstörung/Beschädigung der umliegenden Wohngebiete zur Folge gehabt. Die Engländer sprengten daraufhin lediglich die 90 m lange Kaje des 170 m langen Tauchbeckens sowie kleine Bereiche im hinteren Teil des Bunkers.

Technische Daten

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